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Projekt
Ein partizipatives Forschungsprojekt mit Zuger Jugendlichen

Was machen Jugendliche, um körperlich und psychisch gesund zu bleiben? Mit genau dieser Frage haben sich Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren in einem Forschungsprojekt zusammen mit Fachleuten vom Amt für Gesundheit Zug beschäftigt. Dabei wollte das Forschungsteam herausfinden, was jungen Menschen guttut und was nicht. Es wurde untersucht, was Jugendliche tun und wie sie es tun, um sich psychisch gesund zu fühlen.

Ausgangslage

Die Kinder- und Jugendgesundheit (KJG) des Amtes für Gesundheit Kanton Zug startete im April 2018 ein Projekt, bei dem die bestehende Erwachsenenkampagne «10 Schritte für psychische Gesundheit» für die Arbeit mit Jugendlichen nutzbar gemacht werden sollte. Die 10 Schritte sind Denkanstösse, die Personen dazu befähigen sollen, ihre psychische Gesundheit zu fördern.

Ziel und Fragestellung

Ziel des Projekts war zu erforschen, was Jugendliche zur Förderung und Erhaltung ihrer psychischen Gesundheit tun. Das Forschungsteam untersuchte Aspekte psychischer Gesundheit in der jugendlichen Lebenswelt und ging folgenden Fragen nach:
 
  • Welches sind Momente/Situationen, in denen es mir gut/schlecht geht?
  • Welches sind mögliche Gründe/Umstände, warum es mir gut/schlecht geht?
  • Welche Strategien wende ich an, damit es mir gut geht bzw. wenn es mir schlecht geht?

Ein weiteres Ziel war, anhand der Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt die Botschaften der bestehenden Erwachsenenkampagne «10 Schritte für psychische Gesundheit» jugendgerecht umzusetzen und die Bild- und Textbotschaften anzupassen.

Anschliessend wurde der Workshop «Alles bestens?» für die Schulklassen der 3. Oberstufe, des 1. Lehrjahres und des 10. Schuljahres entwickelt, dessen Übungen aus der Positiven Psychologie stammen, von den Jugendlichen ausgewählt und teils für das Setting Schule adaptiert wurden. Zusätzlich wurde die Kampagne «Kennsch-es?» lanciert, um das Projekt und die Projektergebnisse der Zuger Bevölkerung bekannt zu machen.
 
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Methodisches Vorgehen

Mit dem Ansatz der partizipativen Qualitätsentwicklung und der partizipativen Forschung untersuchten zehn Zuger Jugendliche, im Alter von 14 bis 18 Jahren (sechs Frauen und vier Männer), von November 2018 bis März 2019 die psychische Gesundheit in ihrer Lebenswelt. Dafür wurden die Photovoice-Methode, Blitz-Befragungen, diskursive und thematische Erhebungs- und Auswertungsmethoden eingesetzt.

Ergeb­nisse Forschungs­projekt

Aus dem Forschungsprojekt wurden sechs Themenfelder herausgearbeitet, welche die Jugendlichen aktuell besonders beschäftigen:
  • Schulstress: Noten, Druck, Erwartungen
  • Social Media: sozialer Vergleich, bindet viel Zeit
  • Beziehungen: Familie, True & Fake Friends, Konflikte
  • Freizeit: Aktivitäten, Hobbies, Abschalten können
  • Körperliches und psychisches Wohlbefinden
  • Rolle in der Gesellschaft: Platz finden, Weltanschauung

Darin enthalten sind auch die Bewältigungsstrategien und gesundheitsförderlichen Strategien, die Jugendliche zur (Wieder-)Herstellung ihrer psychischen Gesundheit nutzen. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sind in einem Forschungsbericht festgehalten, bei welchem die Jugendforschenden mitgeschrieben haben.
Mittels der Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt wurde die 10 Schritte-Kampagne von den Jugendlichen analysiert, diskutiert und in jugendgerechte Bild- und Textbotschaften zusammengefasst und angepasst. Daraus entstanden vier konkrete Tipps, die Jugendlichen bei der Bewältigung der Probleme dabei unterstützen sollen, psychisch gesund bleiben. Zu den einzelnen Tipps entwarfen sie Bild- und Textbotschaften.
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Kampagne

Zusammen mit der Agentur ADVERY, welche selbst Jugendliche mit psychischen Schwierigkeiten in den Berufen Grafiker*in EFZ, Mediamatiker*in EFZ und Fotofachleute ausbildet, wurde aus den vier Tipps eine Sensibilisierungskampagne entwickelt. ADVERY nahm den partizipativen Gedanken auf und liess ihre Lernenden die Kampagne «Kennsch es?» realisieren. Die Kampagne wurde bereits Anfang Dezember 2019 lanciert und war im Kanton Zug so auf Plakaten, Bushängern, TrafficCards und Kinodias zu sehen.
Die Kampagne «Kennsch es?», macht mittels auffälliger Illustrationen und Animationen auf die vier Tipps der Jugendforschenden aufmerksam.

Schluss­folge­rungen

Das partizipative Forschungsprojekt kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie andere Jugendstudien, gibt Einblick in örtliche und lokale Rahmenbedingungen und legt «lokale Evidenz» offen. Dieses lokale Wissen ist unabdingbar für eine chancengerechte und wirksame Förderung psychischer Gesundheit im Kanton Zug, welche nun mit dem Workshop lokal verankert wird. Zudem profitierten auch die partizipierenden Jugendlichen selbst (Sensibilisierung, Peer-to-Peer-Vermittlung von Bewältigungsstrategien usw.). Auch die KJG hat durch die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen profitiert und wird die inhaltlichen, wie auch methodischen Erkenntnisse in ihre zukünftige Arbeit verstärkt einfliessen lassen. Sie wird somit weiterhin mit Jugendlichen in diversen Projekten partizipativ arbeiten.

Making-Of Kampagne

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Podcast

Radiobeitrag von SRF1
Radiobeitrag von Jam On
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